Kulinarischer Kult
„Sonderausstellung Jugendkultur der 50er bis 80er Jahre“
Eine kulinarische Zeitreise durch die Jahrzehnte: Entdecken Sie, was damals auf den Teller und ins Glas kam – inklusive der bedeutendsten internationalen Einflüsse.
Ein Hauch von Paris: Diese ungeöffnete 10-Liter-Flasche Moët & Chandon Brut Impérial aus den 1980ern thront als Blickfang auf unserer Kulinarik-Vitrine. Sie steht sinnbildlich für den Einzug französischer Bistros und das unbeschwerte Flair der Côte d’Azur.
„Summer morning on the Champs-Élysées...“ – wer diesen Songbeginn von Smokies Welthit „I’ll meet you at Midnight“ im Ohr hat, fühlt sich beim Blick in unsere Vitrine sofort in das Lebensgefühl der 70er und 80er-Jahre zurückversetzt. Die französische Ansichtskarte mit Blick auf den Arc de Triomphe und die legendäre Packung Gauloises-Zigaretten fangen das typische Bistro-Flair von damals perfekt ein. Es war die Zeit, in der man bei französischer Musik, gutem Wein und dem Duft von herbem Tabak die Nächte durchdiskutierte. Ein nostalgischer Blick zurück auf eine Ära, in der das Savoir-vivre auch in der heimischen Club- und Gastroszene einzog.
Ausschnitt aus der Vitrinen-Ebene "Kult Getränke". „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola...“ – wer erinnert sich nicht an den legendären Werbespot mit den Eisblumenscheiben, der afri-cola Kultstatus einbrachte? Ein Blick auf diesen Vitrinenausschnitt lässt die Ära lebendig werden, in der Cola plötzlich unangepasst und aufregend war. Zusammen mit den unverwechselbaren Klassikern wie den filterlosen Camel-Zigaretten und den typischen Spirituosen-Fläschchen der Zeit – vom klaren Doornkaat bis zum Party-Klassiker Apfelkorn – fängt diese Ebene die unbeschwerte, verrauchte und lebendige Club- und Bistro-Atmosphäre ein. Es war die Zeit des Aufbruchs, in der das Nachtleben im Raum Aschaffenburg und Miltenberg seine ganz eigenen, unvergesslichen Kultgetränke und Rituale feierte.
Von Paris bis Sanremo, vom Bistro zum Irish Pub: Diese Ebene unserer Kulinarik-Vitrine zeigt eindrucksvoll, wie international und vielseitig die Gastro- und Musikkultur der 70er und 80er-Jahre wurde. Während die charakteristische, bauchige Orangina-Flasche an den Charme französischer Bistros erinnert, bricht gleich daneben das dunkle, cremige Guinness-Bier eine Lanze für den Einzug der ersten gemütlichen Irish Pubs in Deutschland.
Die rechte Seite der Vitrine atmet dagegen pures Dolce Vita: Neben der Schallplatte „Italo Top-Hits“ wecken originale Kochbücher, die typische kleine Espressokanne und Erinnerungen an die ersten echten italienischen Pizzerien der Region sofort Urlaubsgefühle. Untermalt vom Geschmack eines eisgekühlten Ramazzotti oder dem Duft von frisch gebrühtem Espresso fängt diese Szene die Ära perfekt ein, in der Pizza und Amaretto die Herzen der hiesigen Nachtschwärmer im Sturm eroberten.
Von Kolonialwaren zu Werbeklischees: Kulinarik im Wandel der Zeit
Diese Ebene unserer Vitrine schlägt eine Brücke von den historischen „Kolonialwarenläden“ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bis hin zur Alltagskultur der 50er bis 80er-Jahre. Was einst als exotischer Luxus aus Übersee begann – Kaffee, Kakao, Bananen oder Gewürze –, entwickelte sich im Wirtschaftswunder-Deutschland zu erschwinglichen Kultprodukten für jedermann.
Doch mit den Waren kamen auch einprägsame Werbebilder in die heimischen Küchen und Kaufmannsläden. Ob die gelbe Banania-Dose, Sammeltassen, Werbefiguren oder die alten Logos von Marken wie Sarotti und Uncle Ben’s: Sie alle nutzten stereotype, romantisierte Darstellungen, die damals ein Gefühl von weiter Welt, Exotik und süßem Luxus vermitteln sollten. Aus heutiger Sicht werfen diese Exponate spannende Fragen auf: Wo endet die unschuldige, nostalgische Erinnerung an die eigene Kindheit und wo beginnt die kritische Auseinandersetzung mit kolonialen Klischees? Unsere Ausstellung möchte hier bewusst nicht werten, sondern einladen zum Nachdenken darüber, wie sehr sich gesellschaftliche Maßstäbe und unsere Sicht auf vertraute Alltagsmarken im Laufe der Jahrzehnte verändert haben.
Lust auf mehr Zeitreise?
Was kam wann auf den Teller und was floss in die Gläser? Unsere große Übersichtstafel zu den Speisetrends der Jahrzehnte zeigt eindrucksvoll den kulinarischen Wandel von den 50er- bis zu den 80er-Jahren – vom klassischen Sonntagsbraten über den Einzug von Pizza und Gyros bis hin zum bunten Likör-Hype. Doch das hier war nur ein kleiner Vorgeschmack! In unserer echten Sonderausstellung im Bachgaumuseum Großostheim warten noch viele weitere originale Kultobjekte, historische Fotografien und liebevoll gestaltete Vitrinen-Ebenen darauf, von Ihnen entdeckt zu werden. Tauchen Sie vor Ort noch tiefer in die faszinierende Jugend- und Alltagskultur vergangener Tage ein – wir freuen uns auf Ihren Besuch!